„Ich sehe uns tatsächlich als vierte Gewalt, an die sich Bürgerinnen und Bürger bei Missständen wenden können“

– Angelika Kleinhenz, Redakteurin in der Investigativredaktion

Schon als Kind wollte Angelika Kleinhenz als Meeresbiologin den Dingen auf den Grund gehen. Heute tut die Investigativjournalistin das mit knallharten Recherchen, die meist ebenfalls mit Wasser zu tun haben. Wenn sie von ihrer Arbeit erzählt, fühlt man sich fast wie in einem Politthriller.  

Was passiert eigentlich mit dem Leitungswasser für Würzburg und Umgebung, wenn die Firma Knauf ihr Bergwerk bei Altertheim wie geplant bauen sollte? Solchen Fragen, die vielen Einheimischen unter den Nägeln brennen und sie verunsichern, geht Angelika nach. Und zwar mehr als gründlich. Dass es sich die Main-Post als regionale Tageszeitung leistet, Journalistinnen und Journalisten extra für die großen, heiklen und komplexen Themen in Mainfranken abzustellen, findet sie wichtig und für sie persönlich ein echtes Privileg. „Ich sehe uns tatsächlich als vierte Gewalt, an die sich Bürgerinnen und Bürger bei brisanten Themen wenden können."  

Thema Wasserknappheit bewegt die Menschen in Unterfranken

Doch niemand wird als Investigativjournalistin geboren. Angelikas journalistische Anfänge reichen in ihre Studienzeit, als sie schon damals nebenbei als freie Mitarbeiterin für die Main-Post Artikel schrieb. Nach mehreren beruflichen Stationen kam sie 2007 in die Onlineredaktion und wechselte 2015 in die Regionalredaktion. „Hier habe ich nach und nach meinen Schwerpunkt auf Umweltthemen gesetzt, speziell auf das Thema Wasserknappheit. Und da habe ich gemerkt, welche Relevanz dieses Thema in und für Unterfranken eigentlich hat."  

Seitdem die Main-Post 2026 offiziell eine eigene Investigativredaktion gegründet hat, kann sich Angelika voll und ganz in Themen rund um das Wasser in der Region ‚vertiefen'. Was ihr daran besonders gefällt, ist gleichzeitig eine große Herausforderung: Die vielen Fakten zu einem sehr komplizierten Thema für die Leserschaft möglichst kompakt und verständlich herunterzubrechen. 

Dass das viel Übung und Geduld erfordert, versteht sich von selbst. „Manchmal sitzt man Monate an einem Thema, ohne dass auch nur ein Satz darüber gedruckt wird." Für die lange, aufwendige Recherche im Vorfeld bedarf es vor allem Fleiß und Gründlichkeit. „Zusätzlich musst du dir ein Netzwerk an Behörden und Privatpersonen aufbauen, um an relevante Informationen zu gelangen", erklärt Angelika. 

„Je heikler die Themen sind, desto kritischer gehen wir mit Quellen um" 

Um Kritikern möglichst keine Angriffsfläche zu bieten, wägt sie in ihren Artikeln jede Formulierung genau ab. „Je heikler die Themen sind, desto kritischer gehen wir mit Quellen um." Schließlich spürt sie bei ihrer Arbeit enormen Rückenwind vom gesamten Verlagshaus. Eine große Hilfe ist ihr dabei die Rechtsabteilung der Main-Post. „Bei einem juristisch heiklen Text werden auch mal einzelne Formulierungen genau geprüft. Das ist aber zum Glück die absolute Ausnahme."

Unglaublich erfüllende Arbeit 

Umso schöner ist es, wenn die aufwendige Arbeit Früchte trägt. Gleich mehrere von der Main-Post aufgedeckte Skandale zogen Klagen der Staatsanwaltschaft nach sich, beispielsweise beim Missbrauchsskandal der Gemeinschaft Go & Change, über die Angelikas Kolleginnen und Kollegen berichtet hatten. Für ihre Recherchen zum Thema Wasser in Unterfranken hat Angelika bereits drei Journalistenpreise gewonnen. Viel erfüllender sei jedoch, den Menschen Informationen zu verschaffen, an die sie sonst nicht kommen würden und ihnen „Einblicke in das zu geben, was vor ihrer Haustür geschieht", sagt die Investigativjournalistin.

Auf einen Blick – Angelika Kleinhenz

Position

Position

Redakteurin in der Investigativredaktion

Im Unternehmen

Im Unternehmen

Seit 2007 in der Redaktion, zuvor schon freie Mitarbeiterin

Lieblingsaufgabe

Lieblingsaufgabe

Komplexe, wichtige Themen für Leser verständlich erklären und herunterbrechen

Gewonnene Preise

Gewonnene Preise

2019 Hermann Schulze-Delitzsch-Preis für die Berichterstattung über verunreinigtes Trinkwasser in den Landkreisen Würzburg und Main-Spessart 

2025 Wächterpreis der Tagespresse und Deutscher Preis für Klimajournalismus (Lokal) für die gemeinsame Recherche mit dem Bayerischen Rundfunk über mangelhafte Kontrollen und Wissenslücken der Behörden bei den Wasserentnahmen in Unterfranken

Fotos: Patty Varasno | Entstanden bei einem Redaktionstermin im Wasserwerk der Fernwasserversorgung Franken (FWF) in Sulzfeld am Main zum Thema Sicherung der Trinkwasserversorgung in Zeiten des Klimawandels