
Drei Perspektiven auf den Einstieg in den Journalismus
Jonas Benini (von links), Fynn Partheymüller und Saskia Moldenhauer volontieren bei der Main-Post.
In den Redaktionen der Main-Post ist es morgens nicht das Brummen von Maschinen, das den Takt vorgibt. Es sind Push Meldungen auf dem Handy, die ersten Mails im Postfach, die Themen in der Konferenz. Auf den Bildschirmen stehen Termine, Namen, Orte. Wer heute losfährt, weiß oft erst am Nachmittag, wie die Geschichte am Ende aussieht.
Das Volontariat bei der Main-Post dauert zwei Jahre und ist crossmedial angelegt. Nach einem Einführungsblock wechseln die Volontärinnen und Volontäre durch verschiedene Stationen. Sie arbeiten in Lokalredaktionen, lernen am Desk und sind auch dort im Einsatz, wo digitale Formate geplant werden. Für den Arbeitsalltag heißt das, dass man sich immer wieder neu einarbeitet und trotzdem schnell liefern muss.
Fynn Partheymüller steht dann in der Stadt für eine Umfrage, telefoniert mit Gemeinden, arbeitet im Tierheim mit oder recherchiert online für sein neues Thema. Der 27-Jährige kommt ursprünglich aus dem Landkreis Lichtenfels, lebt jetzt in Bamberg und ist seit April 2025 Volontär. Er mag Themen, die den lokalen Zusammenhalt stärken. „Der Kontakt mit so vielen lieben Menschen, die nicht immer Gehör finden, ist mir sehr wichtig. Hier werden regionale Probleme, Herausforderungen, aber auch Chancen und Erfolgsgeschichten sichtbar, die meiner Meinung nach geteilt werden müssen", sagt Partheymüller.
Aus vielen kleinen Fakten muss am Ende ein Text werden, der den Ort betrifft. „Oft ist es die Recherche und der ständige Kontakt zu den Interviewpartnerinnen und Partnern, die am meisten Zeit braucht", sagt er. Doch genau da liegt ihm zufolge die Wichtigkeit in der Arbeit als Lokaljournalist.
Komplexität, die man erst vor Ort versteht
Saskia erlebt diese Übersetzungsarbeit täglich. Die 24-Jährige ist ursprünglich aus Fulda. Seit dem Studium der Politik und Sozialwissenschaften in Würzburg lebt sie in der Region, seit April 2025 arbeitet sie bei der Main-Post. „Ganz simpel, ich mag es zu schreiben, ich gehe gerne auf Leute zu, höre mir spannende Geschichten an und trage sie in die Welt hinaus", sagt sie. Oft beginnt es mit einem Hinweis, einem Anruf oder einem Gespräch nach einem Termin. Dann folgt die Recherche, wer zuständig ist, was stimmt, wer noch fehlt.

Dass sie sich in Würzburg und Umgebung auskennt, macht Wege kürzer. „Ich kenne mich gut in der Region aus, das hilft bei weiteren Recherchen", sagt Saskia. Trotzdem ist jedes Thema ein neues Feld. Mal geht es um Kommunalpolitik, mal um ein Ehrenamt, mal um eine persönliche Geschichte. Und immer geht es um Vertrauen. „Ich brauche diesen Menschenkontakt, ich bin ein neugieriger Mensch", sagt sie.
Nah dran und sichtbar erzählen
Jonas setzt dort an, wo man die Geschichte nicht nur hört, sondern auch sehen kann. Der 31-Jährige kommt aus Schnackenwerth bei Schweinfurt. Sein Weg in den Journalismus führte über Umwege. Über den Master in Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation landete er in der Redaktion. Seit 1. April ist er im Volontariat.
Was ihn im Alltag trägt, sind Gespräche. „Von Menschen was erfahren und von Menschen etwas lernen", sagt Jonas. „Am liebsten bin ich direkt vor Ort bei den Menschen und dabei sein. Ich finde Dinge spannend, die man gut mit Bildern begleiten kann", sagt er. Deshalb denkt er bei Terminen schon mit, welches Foto funktioniert und wie man die Geschichte online so platziert, dass sie gefunden wird.

Früh Verantwortung, schnell Routine
Im Volontariat ist niemand nur zum Zuschauen da. Texte werden veröffentlicht, Bilder ausgesucht, Überschriften diskutiert, Kommentare beantwortet. Für Fynn Partheymüller liegt die Herausforderung genau in der richtigen Mischung. „Ich mag es zu lernen, Themen für jeden Leser und jede Leserin, aber auch für Zuschauerinnen und Zuschauer auf Social Media leicht zugänglich, unterhaltsam und einfach verständlich zu machen." Denn nicht jeder kann sich zeitintensiv mit einer Thematik auseinandersetzen – und hier kommt der Lokaljournalismus ins Spiel."
Saskia hält sich dabei bewusst offen. „Mir macht es Spaß, auch neue Dinge auszuprobieren, auch wenn ich mich mit denen nicht auskenne", sagt sie.
Zukunft, die in der Region beginnt
Fynn verweist auf die Verwurzelung in der Region. „Viele Personen, die hier leben, möchten über ihre Heimat informiert sein. Unsere Aufgabe ist es, eben diese Informationen gebündelt weiterzugeben – mit vielen Gesprächen, detaillierten Recherchen und dem Blick auf das Regionale." Für ihn ist vor allem ein neuer Blickwinkel auf Themen wichtig. „Nicht immer das Schreiben, worüber schon alle anderen berichten: Was ist noch interessant? Gibt es noch andere Sichtweisen auf die Themen?"
Saskia sieht darin eine Aufgabe. „Wir sind die Generation von morgen, unsere Aufgabe ist es meiner Meinung nach, die vierte Gewalt aufrecht zu erhalten", sagt sie.

Jonas fasst es so. „Der Blickwinkel von jungen Menschen ist sehr wichtig", sagt er, gerade, um „in der schnelllebigen Gesellschaft den Kontakt zur Jugend nicht zu verlieren". Im Alltag der Volontärinnen und Volontäre zeigt sich das. Sie sind nah dran an den Menschen und erzählen Geschichten so, dass sie im Ort genauso ankommen wie auf dem Smartphone.
Volontariat auf einen Blick
Das Volontariat
Hard facts
- Dauer: zwei Jahre
- Start: 1. April oder 1. Oktober
- Beginn mit vier Wochen Einführung
- Anschließend Wechsel durch verschiedene Redaktionsbereiche
Fynn Partheymüller
Fynn Partheymüller
- Im Volontariat seit April 2025
- Highlight: regionale Menschen und Themen sichtbar machen
Saskia Moldenhauer
Saskia Moldenhauer
- Im Volontariat seit April 2025
- Highlight: Menschen kennenlernen und neue Themen entdecken
Jonas Benini
Jonas Benini
- Im Volontariat seit April 2026
- Highlight: Geschichten vor Ort mit starken Bildern erzählen
Fotos: Tamás Mayer-Madarasz